SF011 – Das Kriegstagebuch
In dieser Folge sprechen ich mit Roman Töppel über Kriegstagebücher als wichtige Quellen der Militärgeschichte. Wir schauen uns amtliche Kriegstagebücher, private Tagebücher und Memoiren an und erklären, wie diese Texte entstehen, welche Informationen sie enthalten und wie sich ihre Perspektive je nach Führungsebene unterscheidet.
Dabei geht es vor allem um die Frage: Was kann man solchen Quellen eigentlich glauben? Wir zeigen, warum Kriegstagebücher keineswegs immer ein unmittelbares Abbild des Geschehens liefern, sondern lückenhaft, verkürzt oder nachträglich geglättet sein können. Wir sprechen über Selbstrechtfertigung und Zensur und erklären, wie Quellenverlust, Zweitschriften und die Überlieferung in Archiven beeinflussen, was Historikerinnen und Historiker heute überhaupt über vergangene Kriege wissen können.
Wer militärhistorische Quellen besser verstehen und selbst einschätzen möchte, warum eine Quelle etwas erzählt und warum sie vielleicht gerade etwas anderes verschweigt, bekommt in dieser Folge das nötige Handwerkszeug.
Shownotes
051 – Die Schlacht bei Kursk 1943
086 – Generalfeldmarschall von Manstein – Eine Edition (1939/40)
Klaus Gerbet (Hrsg.): Generalfeldmarschall Fedor von Bock – Zwischen Pflicht und Verweigerung – Das Kriegstagebuch, München 1995.
Negativbeispiele:
Franz Halder: Kriegstagebuch – Tägliche Aufzeichnungen des Chefs des Generalstabes des Heeres 1939-1942, Stuttgart 1962-1964.
Heinz Guderian: Erinnerungen eines Soldaten – Autobiografie, Stuttgart 2003.
Schriften von Albert Speer
Literaturempfehlungen
Roman Töppel (Hrsg.): Manstein: Kriegstagebücher und Briefe 1939-1941, Paderborn 2025.
Roman Töppel: Kursk 1943: Die größte Schlacht des Zweiten Weltkriegs , Paderborn 2017.
102 – Durchhalten und Überleben an der Westfront (1914-1918)
Kriege machen nicht nur etwas mit Menschen, sondern auch mit Landschaften. Sie verändern sich, wenn sie von Schützengräben durchzogen oder von Artillerie beschossen werden. Und die Soldaten wiederum müssen auf diese Veränderungen reagieren oder mit ihnen umgehen. Genau darüber hat Christoph Nübel geforscht und darüber sprechen wir.
Shownotes
Zugang ins Projekt
Karl von Wenninger
Räume
Johann Gustav Droysen
Alfred von Schlieffen
Umwelt
Russisch-Japanischer Krieg
Westfront (Erster Weltkrieg)
Landschaft
Ernst Friedrich
Adolf Hitler im Ersten Weltkrieg
Über Quellen
Ernst Jünger
Erich Maria Remarque
Literaturempfehlungen
Christoph Nübel: Durchhalten und Überleben an der Westfront – Raum und Körper im Ersten Weltkrieg, Paderborn 2014.
Jan Philipp Bothe: Die Natur des Krieges – Militärisches Wissen und Umwelt im 17. und 18. Jahrhundert, Frankfurt am Main 2021.
Richard P.Tucker u.a. (Hrsg.): Environmental Histories of the First World War, Cambridge 2018.
Gastempfehlungen
Martin Clauss
Nina Leonhardt
101 – Mittelalter in Social Media History
Die sozialen Medien machen auch vor der Geschichte nicht Halt. Aber wie wird Geschichte dort behandelt? Über welche Themen wird dort überhaupt gesprochen? Und dann wie? Das Projekt SocialMediaHistory hat sich genau damit befasst. Und dazu begrüße ich Kristin Oswald und Tobias Enseleit.
Weiterlesen100 – Weg vom Fenster – Die Staublunge der Ruhrbergleute
Im Schatten des westdeutschen Wirtschaftswunders wurde Untertage in den Zechen des Ruhrgebiets der Brennstoff für den Boom gewonnen. Und ähnlich, wie die steigende Wirtschaftskraft, stieg die Anzahl der Bergleute mit Staublunge besorgniserregend an. Die Krankheit machte sie erst zu Invaliden in den Fenstern der Zechensiedlungen und ließ sie dann langsam dahinsiechen. Daniel Trabalski hat sich in seiner Forschung angeschaut, wie die Staublunge entdeckt, behandelt und vergessen wurde.
Weiterlesen099 – Die jiddische Presse im Kampf gegen den Nationalsozialismus (1930–1941)
Polnische Juden stellten nicht nur die größte Gruppe unter den Opfern des Holocaust dar. Auch hatte kein anderes Land Europas in den 1930er Jahren mehr jüdische Einwohner und einen so vielfältigen jüdischen Zeitungsmarkt wie Polen. Anne-Christin Klotz erforschte in ihrem Projekt die andere, eher unbekannte Seite, indem sie den Blick von Ost nach West richtet und die polnischen Juden nicht länger als Block passiver Opfer begreift, sondern als handelnde Subjekte, die den Antisemitismus, der sie bedrohte, aktiv bekämpften.
Weiterlesen098 – Die „Weltmacht China“ aus westdeutscher Sicht
Im kalten Krieg war China irgendwie der vergessene Juniorpartner im Poker der Weltmächte. Man wusste relativ wenig über das Land. Nicht einmal die genaue Bevölkerungszahl war bekannt. Aber mit dem Besuch des US-amerikanischen Präsidenten Richard Nixon in China 1972 entbrannte in Westdeutschland eine Diskussion über eine Außenpolitik mit dem Land in einer multipolaren Weltordnung. Andreas Plöger hat sich in diese politische Auseinandersetzung gestürzt, zu den westdeutschen Diskursen zu China im Weltgefüge geforscht und ist mein Gesprächspartner.
Weiterlesen097 – Psychisch erkrankte Offiziere in Deutschland (1890–1939)
Lange bestand der Glaube an die Macht des Willens, sich der Gefahr auszusetzen und diese auszuhalten. Der Offizier stand für Herrschaft und dafür Verantwortung zu übernehmen. Er verkörperte den Willen zum Kampf, zum Töten und zum Sterben. Die Realität des Krieges brach diese Annahmen. Weder war der Wille stark genug immer und immer wieder das Trommelfeuer der Artillerie auszuhalten. Noch war der Offizier stets in der Lage seine angenommenen Attribute auszufüllen. Gundula Gahlen hat zu psychisch erkrankten deutschen Offizieren geforscht und erzählt uns etwas über ein bisher unterbelichtetes Forschungsgebiet.
Weiterlesen096 – Unternehmen Weltaneignung – Der Woermann-Konzern und der deutsche Kolonialismus (1837-1916)
Von „Kolonialwarenläden“ habt ihr bestimmt schon gehört. Sicherlich wisst ihr, dass Deutschland bis zum Versailler Vertrag Kolonien in Afrika besaß und diese Länder ausgebeutet hat. Aber war euch klar das die koloniale Herrschaft und hanseatisches Unternehmertum miteinander zusammenhingen? Kim Todzi ist mein heutiger Gesprächspartner und hat zum Aufstieg und Fall des Hamburger Woermann-Konzerns geforscht. Ein Unternehmen, das wie kein anderes, mit der deutschen Kolonialherrschaft in Afrika verbunden ist. So verwundert es fast nicht, dass in dieser symbiotischen Beziehung Woermann, während des Völkermordes an den Herero und Nama (1904-1908) die Truppentransporte von Hamburg nach Deutsch-Südwestafrika organisierte.
Weiterlesen095 – Oradour und die Deutschen
Am 10. Juni 1944 war die 2. SS-Panzer-Division „Das Reich“ auf dem Weg zu den Stränden in der Normandie, um die alliierte Landung zu bekämpfen. In dem Dorf Oradour sur Glane verübten Soldaten dieser Division ein Massaker an der Zivilbevölkerung und zerstörten die Stadt. Andrea Erkenbrecher hat zu der juristischen und gesellschaflichen Aufarbeitung geforscht und ist meine Gesprächspartnerin.
Weiterlesen094 – Heinrich V. und das Mittelalter
Vor 1000 Jahren kam eine neue Dynastie an die Macht, die Salier. Vor 900 Jahren endete der Streit zwischen den Saliern und dem Papst, der so genannte Investiturstreit. Und heute sprechen wir nicht über den allseits bekannten Karl den Großen und auch nicht über Friedrich Barbarossa, sondern über den eher unbekannten Heinrich V. Wieso, weshalb, warum, möchte uns Gerd Lubich erklären.
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